Ein Flugverbot über Libyen, vielleicht gar militärische Intervention. Alles sei möglich, bis auf Bodentruppen. Zehn Länder stimmten für die Resolution des UN-Sicherheitsrates, keins dagegen – Deutschland enthielt sich und reiht sich ein neben Russland, China, Brasilien und Indien.
Die Resolution will die libyschen Zivilisten vor den Luftangriffen von Gaddafi schützen. Endlich, wie viele jubeln – zu spät, wie viele kritisieren.
Brega und Ajdabia sind wieder in den Händen von Gaddafi. Der Sturm auf Benghazi steht offenbar kurz bevor. Noch vor gut einer Woche konnte ich mich in diesen Städten als Journalistin frei bewegen, musste mich höchstens vor Probe- und Protestschüssen in Acht nehmen, nicht vor Übergriffen der Regierungstreuen. Nur wenige Tage später wurde ein Kameramann von Al Jazeera getötet.
Noch am Tag meiner Abreise sagten mir die Rebellen in einem Militärcamp in Benghazi: wir sind jetzt organisiert, wir stürmen gar auf Sirte (Gaddafis Geburtsort und Hochburg seiner Anhänger) – unser Sieg steht kurz bevor.
Es war nicht nur naiver Kampfeswille, den ich darin gesehen hatte. Der Optimismus, die moralische Überlegenheit, so schien es mir in dem Moment, könnte vielleicht wirklich den Diktator stürzen lassen.
Schon wenige Tage später, nach den heftigen Kämpfen rund um Ras Lanuf und Brega, war ich wieder in der Realität angekommen. Wenn es eine wirkliche Chance zum Sturz des Diktators gab, dann ist sie längst verstrichen. Nun, so scheint es sich anzubahnen, wird es nur noch blutig.
Umso mehr haben die oppositionellen Libyer auf das Flugverbot gehofft – und ihre Freude bricht sich Bahn bei der Nachricht über die UN-Resolution:

